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Geplante Obsoleszenz und der Gretcheneid

Manches Gerät geht immer genau dann kaputt, wenn die Garantie abgelaufen ist. Oder es geht an einer Stelle kaputt, die man mit etwas Sachverstand eigentlich als unkaputtbar bezeichnen würde. Antriebsriemchen, die nach 3 jahren spröde werden und reissen. Motor-Schleifkohlen, die nach 3 Jahren Gebrauch einfach hinüber sind. Oder Fernseher, die einfach den Geist aufgeben. Oft scheint es wirklich so zu ein, als hätte hier jemand defekte gezielt geplant.

Das Testhaus HTV bietet unter dem Namen HTV-Life seit rund einem Jahr eine Prüfung an, die bestätigt, dass ein Produkt ohne „Geplante Obsoleszenz“ kommt. Das Prüfzeichen bestätigt, dass ein Gerät ohne ersichtliche Maßnahmen gebaut wird und sich durch Langlebigkeit auszeichnet. Geprüft wird dabei sowohl die Konstruktion als auch Bauteile und Herstellung des Gerätes. So kann zum Beispiel die bei Rechnerherstellern beliebte Maßnahme, große Elkos in Ecken ohne Kühlung zu verbauen ebenso erkannt werden wie eine zu dünne Schalterbeschichtung oder ein minderwertiger Akku.

Super Sache, möchte man meinen – aber die Hersteller sind nicht unbedingt mit wehenden Fahnen auf den Zug aufgesprungen. Es gibt auch nach einem Jahr nicht wirklich viele Produkte. Das größte Presseecho auf das Prüfzeichen kam, als die Inhaber der Prüffirma HTV die Stiftung Warentest recht direkt angriffen. Im Magazin „Test“ wurde im September 2013 proklamiert, dass Hersteller zwar die Lebensdauer von Produkten planen, aber nicht bewusst Sollbruchstellen einbauen. Aeh, ja. Ein (reichlich werbelastiges) Interview mit dem CEO von HTV gibts bei elektroniknet.de.

Nach mehr als 10 Jahren Arbeit für einen technischen Prüfkonzern glaube ich übrigens auch, einen der Gründe für den mäßigen Erfolg des Prüfzeichens erkannt zu haben: Der Produkthersteller muss nicht nur über die verwendeten Materialien Auskunft geben, sondern auch noch eine eidesstattliche Erklärung leisten, dass keine „geplante lebensdauerbegrenzende Sollbruchstelle“ eingebaut wurde. Ein Hersteller verliert im Falle eines Falles also nicht nur das Zertifikat, sondern der Unterzeichnende hat in eindeutig beweisbaren Fällen auch noch ein strafrechtliches Problem am Hals.

So toll ich das Prüfzeichen und die letztgenannte Anforderung als Konsument finde: Als Gutachter finde finde ich ein derartige Prüfzeichenanforderung verdammt mutig. Ich würde mich freuen, wenn dem Prüfzeichen ein Erfolg beschieden wäre.