Archiv für den Monat: Oktober 2016

WiFi-Steckdose (2) – Auf der Suche nach dem Ursprung

wp-1476364300958.jpgWer stellt denn jetzt die WiFi-Steckdosen her?

Nein, wie erwartet ist der Aufkleber auf der Rückseite des Gerätes nicht hilfreich. Die „inter-union“ ist nicht mehr als ein Dienstleister, der Waren einkauft, für den deutschen Markt bereit macht und in Verkehr bringt. Sprich: Von denen ist in unserem Falle bestenfalls der Aufkleber und ggf. die notwendigen Prüfungen zum Inverkehrbringen der Geräte in Deutschland.

interunion

Die Interunion – vom Schraubenschlüssel bis zur WiFi-Steckdose

Das TÜV-SÜD-Prüfzeichen ist nur auf einem der zwei Adapter (nach Vergrößerung) lesbar und sagt „Bauart geprüft, Produktion überwacht“ – leider aber ohne Prüfnummer.

Prüfzeichendetail (vergrößert)

Prüfzeichendetail (vergrößert)

Eine Suche nach „Inter-Union“ in der Zertifikatsdatenbank der TÜV SÜD Product Service zeigt die Inter-Union als Großkunden der Prüfer, dort lässt sich dann auch schnell das Zertifikat für den WiFi-Adapter finden, allerdings wird hier trotz „Herstellung überwacht“ kein Hersteller angegeben.

TÜV SÜD PS Zertifikatsdaten für den WLAN-Adapter

TÜV SÜD PS Zertifikatsdaten für den WLAN-Adapter

Sackgasse. Auch die Konformitätserklärung am Ende der Bedienungsanleitung ist nur von Inter-Union ausgefüllt und in einer Größe gedrückt, die Menschen über 25 nur mit einer Lupe lesen können.

Konformitätserklärung

Konformitätserklärung (click)

Aufschrauben brachte auch nichts – wir werden das Innenleben der Adapter noch anschauen, aber da steht ebenfalls kein Hersteller.

Mein nächster Ansatz war die App, die ich inzwischen nicht nur auf dem Telefon installiert, sondern auch als APK-Paket heruntergeladen habe. Der Google Play-Store erzählt uns, dass die App von einem „Frank Wen“ erstellt wurde, dessen Mailadresse „xiaobinwen@gmail.com“ sei. Vertrauenswürdig sieht anders aus. Xiaobin dürfte sich wohl, wie viele Asiaten in meinem beruflichen Umfeld auch, einen westlichen „Beinamen“ gegeben haben und daher hier als „Frank“ auftauchen. Übrigens: Wofür die App „USK ab 18 Jahren“ hat ist mir ebenso rätselhaft wie das Rechtebedürfnis „Onlinekäufe“. Aber was will man für 20 Euro erwarten?

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Xiaobin Wen finden wir bei Google als Vertreter einer chinesischen Spielefirma und als Contributor für ein mongo-db-project in Java – zu diesem später mehr. Außerdem hat derselbe Autor noch zwei weitere WiFi-Apps publiziert, auch dazu später mehr.

Die heiße Spur fand sich schließlich in der auf dem Mobilgerät installierten App selbst:

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Ningbo COMEN Electronics Technology Co. Ltd. also. Sollte dahinter der Hersteller stecken? Eine Google-Recherche nach dem Namen brachte nicht weiter. Vielleicht würde Baidu als chinesische Suchmaschine mehr finden, aber ich kanns halt nicht lesen.

Mit etwas Kopfkratzen und einem Blick auf die Innereien der Schaltung ergab sich ein neuer Weg: Funkende Geräte brauchen ein FCC-Siegel. Und anders als etwa CE, VDE oder TÜV Süd Produktzertifizierungen sind bei der FCC richtig viele Daten abrufbar. Anstelle der FCC-eigenen Suchfunktion empfehle ich die bequemere https://fccid.io/. Sucht man dort nach „Ningbo Comen…“, findet man recht fix diverse WiFi-Steckdosen und ganz schnell auch unseren Adapter unter https://fccid.io/XK8-PAUS101W. Ein Vergleich der bei der FCC hochgeladenen Bilder vom Innenleben mit der Platine unseres Steckers zeigt, dass es sich hier um das beschriebene Gerät handelt, Ningbo Comen Electronics Technology also der Hersteller unseres Gerätes ist – und eine Fülle technischer Dokumente haben wir auch gleich.

WiFi-Steckdose (1) – Gelegenheit macht Forschung

Beim letzten Aldi-Besuch hat sich ein WiFi-Steckdosenset in den Einkaufswagen geschlichen – 19,99 Euro für zwei Schaltsteckdosen, von denen eine mit WiFi ausgerüstet ist und sich per App vom Smartphon auch übers Internet schalten lässt.20161013_084446

Da steckt eine Menge Logik und Spielpotential drin, dachte ich mir. Technisch ist das simpel: Eine Dose hat WLAN und agiert als per WLAN und/oder Internet steuerbare Zentrale, welche die anderen Dosen dann per Funk über 433,9 MHz schalten kann. Viel Raum zum Spielen also.

Bevor ich mich mit den technischen Details des Spielzeugs beschäftige, habe ich mal nachgeschaut, was ich da eigentlich gekauft habe, Chinaware, keine Frage – aber die Verbreitung hat mich dann doch überrascht. Das System wird unter verschiedenen Labels fast unverändert in vielen verschiedenen Gewändern verkauft und unterstützt eine Vielzahl von Endgeräten.

Bei Aldi heisst es Easyhome. Bei Lidl und andern wird das mehr oder weniger identische Gerät unter anderem Namen gelistet:

Die Bewertungstexte der Micromax-Dose sprechen denn auch Bände über ein chinesisches LowCost-Produkt: Die Oberflächen der Handy-Apps sind gruselig. Die versprochene Programmierbarkeit (zeitgesteuertes Schalten) funktioniert NUR auf der WLAN-Dose, nicht aber auf den Funkdosen. Andersherum können nur die Funkdosen mit der Funkbedienung geschaltet werden, nicht aber die WLAN-Dose etc.pp.

Da hat mich das Ökosystem beim Billigheim Pearl echt überrascht: Da gibts vom Strommessgerät über den Rolladenmotor bis zur Lampenfassung schier alles – und optisch ist sehr klar, dass das alles vom selben Hersteller kommt und dasselbe System umfasst. Jetzt wäre natürlich interessant, wer dahintersteckt, und was drinsteckt und was man damit machen kann.

Auf meinem Gerät selber ist wie zu erwarten nur ein Aufkleber des deutschen Importeurs.

Ich habe mal die App ein wenig angesehen, und auch der WLAN-Stecker ist schon aufgeschraubt – ich berichte bald weiter.