Archiv für den Monat: Februar 2016

Windows lüfterlos mit 2 Watt TDP

Small ist beautiful: Ich habe meinen Windows-Desktop downgesized. Nach vielen (unbefriedigenden) Versuchen mit verschiedensten SoCs ist mein Wohnschlafzimmerbüro lüfterlos und winzig geworden.

Orbsmart AW 06

Möglich machts ein Orbsmart AW-06 mit Intels Cherrytrail. Der Orbsmart ist ein gebrandeter Shenzen-Chinese: Drin steckt ein Rikomagic MK36S. 2GB RAM, 32Gb eMMC und Intels x5-Z8300 sorgen für flüssiges und dabei lüfterloses Arbeiten unter Windows 10. Was der kleine Intel mit einer Leistungsaufnahme von 2 Watt für Grafik und Prozessor schafft, grenzt für mich an ein Wunder: Windows läuft flüssig, ich kann Videos schauen, Javamonster wie den JDownloader starten, komplexe Webseiten sind nicht langsamer als auf meinem alten Desktop und sogar die Bildverwaltung und -bearbeitung mit Picasa und Acdsee läuft annehmbar rund. Mit einem HDMI-Splitter versorgt das System nicht nur den Monitor, sondern bei Bedarf auch auch den Fernseher an der Wand. Trotz Plastikgehäuse wird die ganze Chose auch im Dauerbetrieb nicht mal handwarm.

taskmgr_x5-z8300

Ich habe im lauf der letzten Jahre eine Menge SoCs ausprobiert: Für den Desktop bin ich letztendlich mit keinem davon warm geworden. Nicht zuletzt deshalb, weil ich zwar seit 15 Jahren aktiv mit Linux arbeite, auf dem Desktop aber doch mit MS-Windows ab Version 3.0 sozialisiert bin. Der Orbsmart ist das erste SoC, das mir eine frustfreie Desktoperfahrung mit allem was ich brauche bietet.

Ein paar Kröten gibts zu schlucken: Das Kisterl hat keinen SATA-Port und nur einen USB-3.0 Anschluss, und die Netzwerkkarte macht nur 100MBit. Im Betrieb ist das kein echtes Hindernis. Inzwischen hängen 4 USB-Festplatten dran. Windows läuft vom spärlich bemessenen eMMC-Speicher, Homeverzeichnisse und Programme sind auf die per USB 3.0 angeschlossene Festplatte umgezogen.

Innen: Rikomagics Typbezeichnung
Die Arbeit mit Windows ist, nicht zuletzt aufgrund der exotischen Hardware, nicht ganz unproblematisch und erinnert mich als Windows-Veteranen an die Zeit, als mit WfW3.11 erstmals ein Windows mit nutzbarer 32-Bit-Engine und TCP-Stack erschien: es gilt, immer mal wieder ein wenig zu drehen. Ein Beispiel: Das vorinstallierte Windows lief prima. Nach dem großem Windows-Update war plötzlich kein Ton mehr auf der HDMI-Schnittstelle. Die Suche nach den Treibern für Intels integrierte Grafikengine ist sowas wie ein Google-Adventure, an dem ich letztendlich gescheitert bin. Auch das Treiberpaket von der Orbsmart-Seite brachte keine Besserung. Das war dann der Punkt, an dem ich erstmals dankbar war, dass Windows 10 Wiederherstellungspunkte bietet: So war es kein großes Thema, das Windowsupdate auf Build 10586 rückgängig zu machen. Danach war nicht nur der Ton wieder da, sondern auch das vorher nicht verfügbare Intel-Treiberpaket für die Grafikengine verfügbar. Versteh einer die Welt. Den Windows-Updateservice habe ich  dann erstmal beendet.

Das Rikomagic-Board

Die per USB angeschlossenen WD30EZRX-Plattten werden als Datengrab für Musik, Filme und Bilder genutzt. Sie stecken in Silikon-Sleeves und liegen auf einem dämpfenden Stück Stoff nebem dem Rechner auf dem Boden unterm Schreibtisch. Ein Wermutstropfen ist der Schlafmodus der Platten: Wird einige Minuten nicht darauf zugegriffen, schläft die Platte ein und ist erst nach einem etwa drei Sekunden dauerndem Spinup wieder am Netz. Für manche Programme, zum Beispiel das Screenshot-Tool Greenshot, ist das zu lang – sie stürzen nach einiger Zeit einfach ab. Ein kleines Script, das die Platten regelmäßig anspricht und damit den Schlafmodus verhindert schafft Abhilfe, sorgt aber auch dafür, dass die Platte im Dauerbetrieb läuft. Hier wäre schön, wenn das System die USB-Platten mit dem Windows-Schlafmodus aktiv schlafen schickt und sie aktiv wachhält, wenn jemand an der Tastatur sitzt. So wie es aussieht, werde ich hier selbst was zusammenhacken müssen. Und ehrlich: ich freu mich drauf.

12 Jahre nachdem ich meinen passiv gekühlten Pentium 90 (TDP: 9 Watt) in Rente geschickt habe, sitzte ich wieder an einem passiv gekühlten Rechner mit einer Gesamtleistungsaufnahme unter 20 Watt und freue mich über ein System, dass rund genug läuft, um keinen Frust zu erzeugen, dabei aber doch die ein oder andere mit eigenen Hacks zu knackende Nuss bereit hält. Kurz: Der Orbsmart ist nicht nur der stromsparende und geräuschlose Desktop, von dem ich jahrelang geträumt habe, sondern auch noch ein Grund, wieder ein wenig in den Windows-Tiefen zu wühlen und zu basteln. Ich fühl mich wieder jung…

In den Tiefen der Menüs

Ich halte mich ja für einigermassen clever und erfahren, wenns um Embedded-Hardware geht – aber manchmal gibt es Sachen, die einfach nicht funktionieren wollen. Die Bluetooth-Musikwiedergabe auf meinem JVC-Autoradio, das eigentlich genau wegen dieser Funktion gekauft hatte, gehört dazu. Bis zum letzten Handywechsel vor rund 18 Monaten hat die Wiedergabe von Musik übers Handy prima funktioniert – seit dem neuen Handy geht das Pairing nicht mehr: Handy und Autoradio erkennen sich, aber wenn ich am Autoradio das Pairing bestätigten soll, melden beide Geräte einen Fehler. Ich habe im Lauf der letzten vierzigtausend Kilomater das Pairing bestimmt hundert mal versucht – in allen Variationen. Erfolglos.

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Die plötzliche Paarungsunwilligkeit des JVC ist im Netz nicht unbekannt – die üblich beschriebene Lösung und Empfehlung war ein Update der Bluetooth-Firmware des JVC, das mir bisher immer zu aufwändig war. Kurz: Ich hatte aufgegeben und schlussendlich ein Audio-Kabel an den AUX-Eingang angesteckt – mit allem Lichtmaschinenpfeifen was dazu gehört, wenn man einen Uralt-Italiener ohne Entstörkondensator und einer vermutlich schon vor 20 Jahren schlechten Masse fährt.

Neulich beim Spielen kam mir eher beiläufig die Menüerleuchtung: Ganz tief im Bluetooth-Menü, erreichbar, wenn man die natürlich doppelt belegte Menütaste lange gedrückt hält, gab es eine Liste mit gepairten Geräten. Da waren vier oder fünf alte Geräte, die ich längst nicht mehr habe, drin. Wenn man weiter spielt, kann man die, Gerät für Gerät, löschen. Was zunächst eher einem Aufräumbedürfnis entsprang, war die Lösung für das so lange unlösbar scheinende Pairing-Problem: Das Gerät ließ sich danach Problemlos mit dem neuen Handy verbinden. Der JVC kann sich offenbar nur eine sehr eingeschränkte Zahl von drei oder vier Bluetooth-Pairings merken. Jedes weitere Pairing wird verweigert – leider mit sinnlosen Fehlermeldungen, die in keiner Weise auf die Ursache hinweisen.

Das in Foren beschriebene Update der Bluetooth-Firmware hilft also nicht etwa, weil die Software besser wird, sondern weil damit die bestehenden Pairings gelöscht werden.

P.S.
Im Nachhinein habe ich festgestellt, dass inzwischen auch andere das Problem auf verschiedene Weise gelöst haben.