Archiv für den Monat: November 2013

Cisco und Intel reorganisieren für IoT

Cisco und Intel reorganisieren für das Internet of Things (IoT).

Bei Cisco macht man aus drei Abteilungen eine neue, die Produkte und Portfolios rund um das Internet of Everything, Smart Grid, Physical Security, und Vertical Industries entwickeln soll.

Intel holt Wind River aus der Datacenter Division und versucht in Zusammenarbeit mit anderen Units wie McAfee eine IoT-Einheit aufzubauen. Ich gehe davon aus, dass Intel noch mehr als im von Entwicklern milde belächelten Bereich Embedded Systems zumindest in der Entwicklercommunity ein echtes Imageproblem haben wird. Details gibts auf der Intel-Seite.

 

Geplante Obsoleszenz und der Gretcheneid

Manches Gerät geht immer genau dann kaputt, wenn die Garantie abgelaufen ist. Oder es geht an einer Stelle kaputt, die man mit etwas Sachverstand eigentlich als unkaputtbar bezeichnen würde. Antriebsriemchen, die nach 3 jahren spröde werden und reissen. Motor-Schleifkohlen, die nach 3 Jahren Gebrauch einfach hinüber sind. Oder Fernseher, die einfach den Geist aufgeben. Oft scheint es wirklich so zu ein, als hätte hier jemand defekte gezielt geplant.

Das Testhaus HTV bietet unter dem Namen HTV-Life seit rund einem Jahr eine Prüfung an, die bestätigt, dass ein Produkt ohne „Geplante Obsoleszenz“ kommt. Das Prüfzeichen bestätigt, dass ein Gerät ohne ersichtliche Maßnahmen gebaut wird und sich durch Langlebigkeit auszeichnet. Geprüft wird dabei sowohl die Konstruktion als auch Bauteile und Herstellung des Gerätes. So kann zum Beispiel die bei Rechnerherstellern beliebte Maßnahme, große Elkos in Ecken ohne Kühlung zu verbauen ebenso erkannt werden wie eine zu dünne Schalterbeschichtung oder ein minderwertiger Akku.

Super Sache, möchte man meinen – aber die Hersteller sind nicht unbedingt mit wehenden Fahnen auf den Zug aufgesprungen. Es gibt auch nach einem Jahr nicht wirklich viele Produkte. Das größte Presseecho auf das Prüfzeichen kam, als die Inhaber der Prüffirma HTV die Stiftung Warentest recht direkt angriffen. Im Magazin „Test“ wurde im September 2013 proklamiert, dass Hersteller zwar die Lebensdauer von Produkten planen, aber nicht bewusst Sollbruchstellen einbauen. Aeh, ja. Ein (reichlich werbelastiges) Interview mit dem CEO von HTV gibts bei elektroniknet.de.

Nach mehr als 10 Jahren Arbeit für einen technischen Prüfkonzern glaube ich übrigens auch, einen der Gründe für den mäßigen Erfolg des Prüfzeichens erkannt zu haben: Der Produkthersteller muss nicht nur über die verwendeten Materialien Auskunft geben, sondern auch noch eine eidesstattliche Erklärung leisten, dass keine „geplante lebensdauerbegrenzende Sollbruchstelle“ eingebaut wurde. Ein Hersteller verliert im Falle eines Falles also nicht nur das Zertifikat, sondern der Unterzeichnende hat in eindeutig beweisbaren Fällen auch noch ein strafrechtliches Problem am Hals.

So toll ich das Prüfzeichen und die letztgenannte Anforderung als Konsument finde: Als Gutachter finde finde ich ein derartige Prüfzeichenanforderung verdammt mutig. Ich würde mich freuen, wenn dem Prüfzeichen ein Erfolg beschieden wäre.

Woher kommt das spionierende WLAN-Bügeleisen?

Von BBC über Spiegel Online geistert derzeit eine Meldung mit einem „spionierenden Bügeleisen“ durchs Netz. Angeblich sei in russischen Bügeleisen ein WLAN-Modul gefunden worden, das beim Einschalten des Bügeleisens aktiv wird und Daten an fremde Server sendet.

Das hat mich dann doch interessiert, ob die Geräte auch bei uns im Handel sind. Auf dem im Internet herumgereichten Screenshot aus der Fernsehreportage ist der Markenname „Scarlett“ auf dem Bügeleisen zu lesen.

Scarlett - das Bügeleisen mit WLAN-Chip

Scarlett – das Bügeleisen mit WLAN-Chip

Eine Google-Recherche bringt ans Licht, das Scarlett Johannson genauso ungern bügelt wie ich.

scarlett02Schliesst man die Actrice in der Google-Suche aus, kommt man über das B2B-Vertriebsportal Alibaba.com zum chinesischen Hersteller des Bügeleisens, der Ningbo Scarlett Electrical Technology Co., Ltd. Glaubt man der Selbstdarstellung bei Alibaba.com verbirgt sich hinter „Scarlett“ eine 2010 gegründete Firma mit weniger als 100 Mitarbeitern, die vom Wischmop bis zum Grill eine breite Palette von Haushaltswaren mit und ohne Elektrik herstellt und verkauft (http://german.alibaba.com/gs-suppliers_scarlett). Der Firmensitz ist in Xinpuzhen (google maps) bei Ningbo, südlich von Shanghai.

Im Scarlett-Produktprogramm auf Alibaba finden sich zwar einige Bügeleisen, die dem im Fernsehbild abgebildeten recht ähnlich sind, das exakte Modell scheint hier aber nicht erhältlich zu sein.

Dass die Homepage der Ningbo Scarlett auf chinesisch, englisch und russisch vorliegt, deutet schon auf eine engere Handelsbeziehung mit Russland hin.

Eine weitere Recherche führt zu www.scarlett-europe.com. Dort findet sich endlich auch das Bügeleisen aus dem Filmbeitrag unter der Typbezeichnung „Scarlett Ted SC-334S“  im Programm:

Scarlett SC-334S

Scarlett SC-334S

Offenbar wird das Gerät in Westeuropa nicht vertrieben – ich konnte es zumindest bei den gängigen Anbietern nicht finden. In der Ukraine ist das für rund 15 Euro verkaufte Gerät seit mindestens 2012 erhältlich, wie ein Erfahrungsbericht im Netz zeigt.

Bleibt aber immer noch die Frage: Wer hat das WLAN-Modul ins Bügeleisen gebaut? Spontan fallen mir 3 Möglichkeiten ein:

  • Ein Spaßvogel, der einen Medienhype produzieren wollte
  • Jemand der in der Produktion beim Hersteller sitzt
  • Jemand, der in der Vertriebskette sitzt

Aufgefallen, so die Presseberichterstattung, sei das WLAN-Modul einem Importeur in St. Petersburg, der beim Wiegen eine Abweichung feststellte. Importeure wiegen routinemäßig, um bei Fernost-Importen eine mögliche Abweichung gelieferter Gerätechargen vom Gewicht und damit der Bauart des bestellten und spezifizierten Mustergerätes festzustellen.

Hier wirds interessant: Scarlett wird in Europa durch die britische Arima Holding Corp UK mit Büros in London und Moskau vertreten – das geht auch aus dem Organigramm hervor:

Scarlett-Arima Organigramm

Scarlett-Arima Organigramm

Von St. Petersburg ist hier nirgends die Rede. Das passt nicht wirklich ins Bild.

Angesichts der kleinen Stückzahlen, eines billigen, seit über einem Jahr vetriebenen Gerätes und einem technisch nicht üppig ausgestatteten Zielmarkt (Russland, Ukraine) und der für chinesischen Verhältnisse kleinen Herstellerfirma kann ich mir für eine derartige Aktion keinen echten Sinn vorstellen und würde das ganze nach derzeitiger Informationslage in die Kategorie „gelungener Medienhype“ einordnen.

Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren.

Wer das Funk-Eisen kaufen will, wird aktuell z.b. bei borey.com.ua fündig:

Hier erhältlich: Das Bügeleisen mit WLAN

Hier erhältlich: Das Bügeleisen mit WLAN

(http://www.borey.com.ua/shop/item/scarlett-ted-sc-334s/)

CoyoteBoard – M2M-Shield für Arduino

Arduino-Shields mit GSM-Funktionalität kommem bei der Crowdfunding-Plattform Kickstarter gut an: Eben hat Squarqee die Finanzierung (locker) geschafft, da ist mit dem Coyote-Board für den Arduino schon das nächste Projekt am Start. Das Shield sieht schon recht fertig aus, kommt mit integrierter Karte und unterstützt nur 2G. Das erste Jahr wird mit dem Shield bezahlt, für die Folgezeit plant der Anbieter mit rund 3 US-Dollar pro Monat.

Das Coyote-Board

Die Nachteile des Coyote-Board sehe ich in der verlöteten SimKarte, die Kunden auf einen Anbieter festlegt und einen damit auch unter die Knute eines Datentarifs bringt, in diesem beim Provider namens „BodyTrace“ – über den im Netz nicht wirklich was zu finden ist. Auch was 2G angeht, bin ich unschlüssig: Ich mag „einfache Sachen“. Aber viele Netzbetreiber werden 2G wohl irgendwann in naher Zukunft stilllegen. AT&T etwa hat schon vor einem Jahr angekündigt, 2G in den USA bis 2016 komplett abzuschalten.