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WiFi-Steckdose (2) – Auf der Suche nach dem Ursprung

wp-1476364300958.jpgWer stellt denn jetzt die WiFi-Steckdosen her?

Nein, wie erwartet ist der Aufkleber auf der Rückseite des Gerätes nicht hilfreich. Die „inter-union“ ist nicht mehr als ein Dienstleister, der Waren einkauft, für den deutschen Markt bereit macht und in Verkehr bringt. Sprich: Von denen ist in unserem Falle bestenfalls der Aufkleber und ggf. die notwendigen Prüfungen zum Inverkehrbringen der Geräte in Deutschland.

interunion

Die Interunion – vom Schraubenschlüssel bis zur WiFi-Steckdose

Das TÜV-SÜD-Prüfzeichen ist nur auf einem der zwei Adapter (nach Vergrößerung) lesbar und sagt „Bauart geprüft, Produktion überwacht“ – leider aber ohne Prüfnummer.

Prüfzeichendetail (vergrößert)

Prüfzeichendetail (vergrößert)

Eine Suche nach „Inter-Union“ in der Zertifikatsdatenbank der TÜV SÜD Product Service zeigt die Inter-Union als Großkunden der Prüfer, dort lässt sich dann auch schnell das Zertifikat für den WiFi-Adapter finden, allerdings wird hier trotz „Herstellung überwacht“ kein Hersteller angegeben.

TÜV SÜD PS Zertifikatsdaten für den WLAN-Adapter

TÜV SÜD PS Zertifikatsdaten für den WLAN-Adapter

Sackgasse. Auch die Konformitätserklärung am Ende der Bedienungsanleitung ist nur von Inter-Union ausgefüllt und in einer Größe gedrückt, die Menschen über 25 nur mit einer Lupe lesen können.

Konformitätserklärung

Konformitätserklärung (click)

Aufschrauben brachte auch nichts – wir werden das Innenleben der Adapter noch anschauen, aber da steht ebenfalls kein Hersteller.

Mein nächster Ansatz war die App, die ich inzwischen nicht nur auf dem Telefon installiert, sondern auch als APK-Paket heruntergeladen habe. Der Google Play-Store erzählt uns, dass die App von einem „Frank Wen“ erstellt wurde, dessen Mailadresse „xiaobinwen@gmail.com“ sei. Vertrauenswürdig sieht anders aus. Xiaobin dürfte sich wohl, wie viele Asiaten in meinem beruflichen Umfeld auch, einen westlichen „Beinamen“ gegeben haben und daher hier als „Frank“ auftauchen. Übrigens: Wofür die App „USK ab 18 Jahren“ hat ist mir ebenso rätselhaft wie das Rechtebedürfnis „Onlinekäufe“. Aber was will man für 20 Euro erwarten?

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Xiaobin Wen finden wir bei Google als Vertreter einer chinesischen Spielefirma und als Contributor für ein mongo-db-project in Java – zu diesem später mehr. Außerdem hat derselbe Autor noch zwei weitere WiFi-Apps publiziert, auch dazu später mehr.

Die heiße Spur fand sich schließlich in der auf dem Mobilgerät installierten App selbst:

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Ningbo COMEN Electronics Technology Co. Ltd. also. Sollte dahinter der Hersteller stecken? Eine Google-Recherche nach dem Namen brachte nicht weiter. Vielleicht würde Baidu als chinesische Suchmaschine mehr finden, aber ich kanns halt nicht lesen.

Mit etwas Kopfkratzen und einem Blick auf die Innereien der Schaltung ergab sich ein neuer Weg: Funkende Geräte brauchen ein FCC-Siegel. Und anders als etwa CE, VDE oder TÜV Süd Produktzertifizierungen sind bei der FCC richtig viele Daten abrufbar. Anstelle der FCC-eigenen Suchfunktion empfehle ich die bequemere https://fccid.io/. Sucht man dort nach „Ningbo Comen…“, findet man recht fix diverse WiFi-Steckdosen und ganz schnell auch unseren Adapter unter https://fccid.io/XK8-PAUS101W. Ein Vergleich der bei der FCC hochgeladenen Bilder vom Innenleben mit der Platine unseres Steckers zeigt, dass es sich hier um das beschriebene Gerät handelt, Ningbo Comen Electronics Technology also der Hersteller unseres Gerätes ist – und eine Fülle technischer Dokumente haben wir auch gleich.

WiFi-Steckdose (1) – Gelegenheit macht Forschung

Beim letzten Aldi-Besuch hat sich ein WiFi-Steckdosenset in den Einkaufswagen geschlichen – 19,99 Euro für zwei Schaltsteckdosen, von denen eine mit WiFi ausgerüstet ist und sich per App vom Smartphon auch übers Internet schalten lässt.20161013_084446

Da steckt eine Menge Logik und Spielpotential drin, dachte ich mir. Technisch ist das simpel: Eine Dose hat WLAN und agiert als per WLAN und/oder Internet steuerbare Zentrale, welche die anderen Dosen dann per Funk über 433,9 MHz schalten kann. Viel Raum zum Spielen also.

Bevor ich mich mit den technischen Details des Spielzeugs beschäftige, habe ich mal nachgeschaut, was ich da eigentlich gekauft habe, Chinaware, keine Frage – aber die Verbreitung hat mich dann doch überrascht. Das System wird unter verschiedenen Labels fast unverändert in vielen verschiedenen Gewändern verkauft und unterstützt eine Vielzahl von Endgeräten.

Bei Aldi heisst es Easyhome. Bei Lidl und andern wird das mehr oder weniger identische Gerät unter anderem Namen gelistet:

Die Bewertungstexte der Micromax-Dose sprechen denn auch Bände über ein chinesisches LowCost-Produkt: Die Oberflächen der Handy-Apps sind gruselig. Die versprochene Programmierbarkeit (zeitgesteuertes Schalten) funktioniert NUR auf der WLAN-Dose, nicht aber auf den Funkdosen. Andersherum können nur die Funkdosen mit der Funkbedienung geschaltet werden, nicht aber die WLAN-Dose etc.pp.

Da hat mich das Ökosystem beim Billigheim Pearl echt überrascht: Da gibts vom Strommessgerät über den Rolladenmotor bis zur Lampenfassung schier alles – und optisch ist sehr klar, dass das alles vom selben Hersteller kommt und dasselbe System umfasst. Jetzt wäre natürlich interessant, wer dahintersteckt, und was drinsteckt und was man damit machen kann.

Auf meinem Gerät selber ist wie zu erwarten nur ein Aufkleber des deutschen Importeurs.

Ich habe mal die App ein wenig angesehen, und auch der WLAN-Stecker ist schon aufgeschraubt – ich berichte bald weiter.

Windows lüfterlos mit 2 Watt TDP

Small ist beautiful: Ich habe meinen Windows-Desktop downgesized. Nach vielen (unbefriedigenden) Versuchen mit verschiedensten SoCs ist mein Wohnschlafzimmerbüro lüfterlos und winzig geworden.

Orbsmart AW 06

Möglich machts ein Orbsmart AW-06 mit Intels Cherrytrail. Der Orbsmart ist ein gebrandeter Shenzen-Chinese: Drin steckt ein Rikomagic MK36S. 2GB RAM, 32Gb eMMC und Intels x5-Z8300 sorgen für flüssiges und dabei lüfterloses Arbeiten unter Windows 10. Was der kleine Intel mit einer Leistungsaufnahme von 2 Watt für Grafik und Prozessor schafft, grenzt für mich an ein Wunder: Windows läuft flüssig, ich kann Videos schauen, Javamonster wie den JDownloader starten, komplexe Webseiten sind nicht langsamer als auf meinem alten Desktop und sogar die Bildverwaltung und -bearbeitung mit Picasa und Acdsee läuft annehmbar rund. Mit einem HDMI-Splitter versorgt das System nicht nur den Monitor, sondern bei Bedarf auch auch den Fernseher an der Wand. Trotz Plastikgehäuse wird die ganze Chose auch im Dauerbetrieb nicht mal handwarm.

taskmgr_x5-z8300

Ich habe im lauf der letzten Jahre eine Menge SoCs ausprobiert: Für den Desktop bin ich letztendlich mit keinem davon warm geworden. Nicht zuletzt deshalb, weil ich zwar seit 15 Jahren aktiv mit Linux arbeite, auf dem Desktop aber doch mit MS-Windows ab Version 3.0 sozialisiert bin. Der Orbsmart ist das erste SoC, das mir eine frustfreie Desktoperfahrung mit allem was ich brauche bietet.

Ein paar Kröten gibts zu schlucken: Das Kisterl hat keinen SATA-Port und nur einen USB-3.0 Anschluss, und die Netzwerkkarte macht nur 100MBit. Im Betrieb ist das kein echtes Hindernis. Inzwischen hängen 4 USB-Festplatten dran. Windows läuft vom spärlich bemessenen eMMC-Speicher, Homeverzeichnisse und Programme sind auf die per USB 3.0 angeschlossene Festplatte umgezogen.

Innen: Rikomagics Typbezeichnung
Die Arbeit mit Windows ist, nicht zuletzt aufgrund der exotischen Hardware, nicht ganz unproblematisch und erinnert mich als Windows-Veteranen an die Zeit, als mit WfW3.11 erstmals ein Windows mit nutzbarer 32-Bit-Engine und TCP-Stack erschien: es gilt, immer mal wieder ein wenig zu drehen. Ein Beispiel: Das vorinstallierte Windows lief prima. Nach dem großem Windows-Update war plötzlich kein Ton mehr auf der HDMI-Schnittstelle. Die Suche nach den Treibern für Intels integrierte Grafikengine ist sowas wie ein Google-Adventure, an dem ich letztendlich gescheitert bin. Auch das Treiberpaket von der Orbsmart-Seite brachte keine Besserung. Das war dann der Punkt, an dem ich erstmals dankbar war, dass Windows 10 Wiederherstellungspunkte bietet: So war es kein großes Thema, das Windowsupdate auf Build 10586 rückgängig zu machen. Danach war nicht nur der Ton wieder da, sondern auch das vorher nicht verfügbare Intel-Treiberpaket für die Grafikengine verfügbar. Versteh einer die Welt. Den Windows-Updateservice habe ich  dann erstmal beendet.

Das Rikomagic-Board

Die per USB angeschlossenen WD30EZRX-Plattten werden als Datengrab für Musik, Filme und Bilder genutzt. Sie stecken in Silikon-Sleeves und liegen auf einem dämpfenden Stück Stoff nebem dem Rechner auf dem Boden unterm Schreibtisch. Ein Wermutstropfen ist der Schlafmodus der Platten: Wird einige Minuten nicht darauf zugegriffen, schläft die Platte ein und ist erst nach einem etwa drei Sekunden dauerndem Spinup wieder am Netz. Für manche Programme, zum Beispiel das Screenshot-Tool Greenshot, ist das zu lang – sie stürzen nach einiger Zeit einfach ab. Ein kleines Script, das die Platten regelmäßig anspricht und damit den Schlafmodus verhindert schafft Abhilfe, sorgt aber auch dafür, dass die Platte im Dauerbetrieb läuft. Hier wäre schön, wenn das System die USB-Platten mit dem Windows-Schlafmodus aktiv schlafen schickt und sie aktiv wachhält, wenn jemand an der Tastatur sitzt. So wie es aussieht, werde ich hier selbst was zusammenhacken müssen. Und ehrlich: ich freu mich drauf.

12 Jahre nachdem ich meinen passiv gekühlten Pentium 90 (TDP: 9 Watt) in Rente geschickt habe, sitzte ich wieder an einem passiv gekühlten Rechner mit einer Gesamtleistungsaufnahme unter 20 Watt und freue mich über ein System, dass rund genug läuft, um keinen Frust zu erzeugen, dabei aber doch die ein oder andere mit eigenen Hacks zu knackende Nuss bereit hält. Kurz: Der Orbsmart ist nicht nur der stromsparende und geräuschlose Desktop, von dem ich jahrelang geträumt habe, sondern auch noch ein Grund, wieder ein wenig in den Windows-Tiefen zu wühlen und zu basteln. Ich fühl mich wieder jung…

In den Tiefen der Menüs

Ich halte mich ja für einigermassen clever und erfahren, wenns um Embedded-Hardware geht – aber manchmal gibt es Sachen, die einfach nicht funktionieren wollen. Die Bluetooth-Musikwiedergabe auf meinem JVC-Autoradio, das eigentlich genau wegen dieser Funktion gekauft hatte, gehört dazu. Bis zum letzten Handywechsel vor rund 18 Monaten hat die Wiedergabe von Musik übers Handy prima funktioniert – seit dem neuen Handy geht das Pairing nicht mehr: Handy und Autoradio erkennen sich, aber wenn ich am Autoradio das Pairing bestätigten soll, melden beide Geräte einen Fehler. Ich habe im Lauf der letzten vierzigtausend Kilomater das Pairing bestimmt hundert mal versucht – in allen Variationen. Erfolglos.

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Die plötzliche Paarungsunwilligkeit des JVC ist im Netz nicht unbekannt – die üblich beschriebene Lösung und Empfehlung war ein Update der Bluetooth-Firmware des JVC, das mir bisher immer zu aufwändig war. Kurz: Ich hatte aufgegeben und schlussendlich ein Audio-Kabel an den AUX-Eingang angesteckt – mit allem Lichtmaschinenpfeifen was dazu gehört, wenn man einen Uralt-Italiener ohne Entstörkondensator und einer vermutlich schon vor 20 Jahren schlechten Masse fährt.

Neulich beim Spielen kam mir eher beiläufig die Menüerleuchtung: Ganz tief im Bluetooth-Menü, erreichbar, wenn man die natürlich doppelt belegte Menütaste lange gedrückt hält, gab es eine Liste mit gepairten Geräten. Da waren vier oder fünf alte Geräte, die ich längst nicht mehr habe, drin. Wenn man weiter spielt, kann man die, Gerät für Gerät, löschen. Was zunächst eher einem Aufräumbedürfnis entsprang, war die Lösung für das so lange unlösbar scheinende Pairing-Problem: Das Gerät ließ sich danach Problemlos mit dem neuen Handy verbinden. Der JVC kann sich offenbar nur eine sehr eingeschränkte Zahl von drei oder vier Bluetooth-Pairings merken. Jedes weitere Pairing wird verweigert – leider mit sinnlosen Fehlermeldungen, die in keiner Weise auf die Ursache hinweisen.

Das in Foren beschriebene Update der Bluetooth-Firmware hilft also nicht etwa, weil die Software besser wird, sondern weil damit die bestehenden Pairings gelöscht werden.

P.S.
Im Nachhinein habe ich festgestellt, dass inzwischen auch andere das Problem auf verschiedene Weise gelöst haben.

Smartmeterbetrug in Malta

Von der europäischen Öffentlichkeit so gut wie unbemerkt breitet sich aktuell ein Smart-Meter-Betrugsfall in Malta aus. Aktuell sieht es so aus, als hätten Angestellte des staatlichen Energieversorgers EneMalta mehr als 1.000 Smartmeter gewerblicher Verbraucher wissentlich falsch parametriert, um deren Stromverbrauch nach unten zu manipulieren. Der Prozess gegen die Mitarbeiter ist schon gelaufen, Die Mitarbeiter erhielten Zeitungsberichten zufolge bis zu 1.200 Euro pro manipuliertem Meter. Der Skandal weitet sich derzeit mit schmutzigen Schuldzuweisungen gegen ehemalige hochrangige Mitarbeiter und Regierungsangehörige weiter aus. Insbesondere entsteht gerade der Verdacht, dass nicht nur mehr als 1.000 Smartmeter zu wenig anzeigten, sondern auch die Smartmeter-Konfiguration ahnungsloser Verbraucher manipuliert wurde, um denen einen erhöhten Verbrauch zu bescheinigen und damit den ermittelten Gesamtverbrauch einzelner Bezirke konstant zu halten.

Malta setzt die vergleichsweise alten Smartmeter der italienischen ENEL ein, die von der Abrechnungsgesellschaft des staatlichen Energieversorgers über ein Re-Licensing bei IBM eingekauft wurden.

Der Betrug wäre mit herkömmlichen Ferraris-Zählern genauso machbar gewesen – nur hätte dazu jeder Stromzähler vor Ort mechanisch manipuliert werden müssen. Im Falle der SmartMeter reicht dazu selbst bei den technisch schon etwas antiquierten ENEL-Metern eine simple, rein softwarebasierte Änderung der Parametrierung aus.

Cisco und Intel reorganisieren für IoT

Cisco und Intel reorganisieren für das Internet of Things (IoT).

Bei Cisco macht man aus drei Abteilungen eine neue, die Produkte und Portfolios rund um das Internet of Everything, Smart Grid, Physical Security, und Vertical Industries entwickeln soll.

Intel holt Wind River aus der Datacenter Division und versucht in Zusammenarbeit mit anderen Units wie McAfee eine IoT-Einheit aufzubauen. Ich gehe davon aus, dass Intel noch mehr als im von Entwicklern milde belächelten Bereich Embedded Systems zumindest in der Entwicklercommunity ein echtes Imageproblem haben wird. Details gibts auf der Intel-Seite.

 

Geplante Obsoleszenz und der Gretcheneid

Manches Gerät geht immer genau dann kaputt, wenn die Garantie abgelaufen ist. Oder es geht an einer Stelle kaputt, die man mit etwas Sachverstand eigentlich als unkaputtbar bezeichnen würde. Antriebsriemchen, die nach 3 jahren spröde werden und reissen. Motor-Schleifkohlen, die nach 3 Jahren Gebrauch einfach hinüber sind. Oder Fernseher, die einfach den Geist aufgeben. Oft scheint es wirklich so zu ein, als hätte hier jemand defekte gezielt geplant.

Das Testhaus HTV bietet unter dem Namen HTV-Life seit rund einem Jahr eine Prüfung an, die bestätigt, dass ein Produkt ohne „Geplante Obsoleszenz“ kommt. Das Prüfzeichen bestätigt, dass ein Gerät ohne ersichtliche Maßnahmen gebaut wird und sich durch Langlebigkeit auszeichnet. Geprüft wird dabei sowohl die Konstruktion als auch Bauteile und Herstellung des Gerätes. So kann zum Beispiel die bei Rechnerherstellern beliebte Maßnahme, große Elkos in Ecken ohne Kühlung zu verbauen ebenso erkannt werden wie eine zu dünne Schalterbeschichtung oder ein minderwertiger Akku.

Super Sache, möchte man meinen – aber die Hersteller sind nicht unbedingt mit wehenden Fahnen auf den Zug aufgesprungen. Es gibt auch nach einem Jahr nicht wirklich viele Produkte. Das größte Presseecho auf das Prüfzeichen kam, als die Inhaber der Prüffirma HTV die Stiftung Warentest recht direkt angriffen. Im Magazin „Test“ wurde im September 2013 proklamiert, dass Hersteller zwar die Lebensdauer von Produkten planen, aber nicht bewusst Sollbruchstellen einbauen. Aeh, ja. Ein (reichlich werbelastiges) Interview mit dem CEO von HTV gibts bei elektroniknet.de.

Nach mehr als 10 Jahren Arbeit für einen technischen Prüfkonzern glaube ich übrigens auch, einen der Gründe für den mäßigen Erfolg des Prüfzeichens erkannt zu haben: Der Produkthersteller muss nicht nur über die verwendeten Materialien Auskunft geben, sondern auch noch eine eidesstattliche Erklärung leisten, dass keine „geplante lebensdauerbegrenzende Sollbruchstelle“ eingebaut wurde. Ein Hersteller verliert im Falle eines Falles also nicht nur das Zertifikat, sondern der Unterzeichnende hat in eindeutig beweisbaren Fällen auch noch ein strafrechtliches Problem am Hals.

So toll ich das Prüfzeichen und die letztgenannte Anforderung als Konsument finde: Als Gutachter finde finde ich ein derartige Prüfzeichenanforderung verdammt mutig. Ich würde mich freuen, wenn dem Prüfzeichen ein Erfolg beschieden wäre.

Woher kommt das spionierende WLAN-Bügeleisen?

Von BBC über Spiegel Online geistert derzeit eine Meldung mit einem „spionierenden Bügeleisen“ durchs Netz. Angeblich sei in russischen Bügeleisen ein WLAN-Modul gefunden worden, das beim Einschalten des Bügeleisens aktiv wird und Daten an fremde Server sendet.

Das hat mich dann doch interessiert, ob die Geräte auch bei uns im Handel sind. Auf dem im Internet herumgereichten Screenshot aus der Fernsehreportage ist der Markenname „Scarlett“ auf dem Bügeleisen zu lesen.

Scarlett - das Bügeleisen mit WLAN-Chip

Scarlett – das Bügeleisen mit WLAN-Chip

Eine Google-Recherche bringt ans Licht, das Scarlett Johannson genauso ungern bügelt wie ich.

scarlett02Schliesst man die Actrice in der Google-Suche aus, kommt man über das B2B-Vertriebsportal Alibaba.com zum chinesischen Hersteller des Bügeleisens, der Ningbo Scarlett Electrical Technology Co., Ltd. Glaubt man der Selbstdarstellung bei Alibaba.com verbirgt sich hinter „Scarlett“ eine 2010 gegründete Firma mit weniger als 100 Mitarbeitern, die vom Wischmop bis zum Grill eine breite Palette von Haushaltswaren mit und ohne Elektrik herstellt und verkauft (http://german.alibaba.com/gs-suppliers_scarlett). Der Firmensitz ist in Xinpuzhen (google maps) bei Ningbo, südlich von Shanghai.

Im Scarlett-Produktprogramm auf Alibaba finden sich zwar einige Bügeleisen, die dem im Fernsehbild abgebildeten recht ähnlich sind, das exakte Modell scheint hier aber nicht erhältlich zu sein.

Dass die Homepage der Ningbo Scarlett auf chinesisch, englisch und russisch vorliegt, deutet schon auf eine engere Handelsbeziehung mit Russland hin.

Eine weitere Recherche führt zu www.scarlett-europe.com. Dort findet sich endlich auch das Bügeleisen aus dem Filmbeitrag unter der Typbezeichnung „Scarlett Ted SC-334S“  im Programm:

Scarlett SC-334S

Scarlett SC-334S

Offenbar wird das Gerät in Westeuropa nicht vertrieben – ich konnte es zumindest bei den gängigen Anbietern nicht finden. In der Ukraine ist das für rund 15 Euro verkaufte Gerät seit mindestens 2012 erhältlich, wie ein Erfahrungsbericht im Netz zeigt.

Bleibt aber immer noch die Frage: Wer hat das WLAN-Modul ins Bügeleisen gebaut? Spontan fallen mir 3 Möglichkeiten ein:

  • Ein Spaßvogel, der einen Medienhype produzieren wollte
  • Jemand der in der Produktion beim Hersteller sitzt
  • Jemand, der in der Vertriebskette sitzt

Aufgefallen, so die Presseberichterstattung, sei das WLAN-Modul einem Importeur in St. Petersburg, der beim Wiegen eine Abweichung feststellte. Importeure wiegen routinemäßig, um bei Fernost-Importen eine mögliche Abweichung gelieferter Gerätechargen vom Gewicht und damit der Bauart des bestellten und spezifizierten Mustergerätes festzustellen.

Hier wirds interessant: Scarlett wird in Europa durch die britische Arima Holding Corp UK mit Büros in London und Moskau vertreten – das geht auch aus dem Organigramm hervor:

Scarlett-Arima Organigramm

Scarlett-Arima Organigramm

Von St. Petersburg ist hier nirgends die Rede. Das passt nicht wirklich ins Bild.

Angesichts der kleinen Stückzahlen, eines billigen, seit über einem Jahr vetriebenen Gerätes und einem technisch nicht üppig ausgestatteten Zielmarkt (Russland, Ukraine) und der für chinesischen Verhältnisse kleinen Herstellerfirma kann ich mir für eine derartige Aktion keinen echten Sinn vorstellen und würde das ganze nach derzeitiger Informationslage in die Kategorie „gelungener Medienhype“ einordnen.

Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren.

Wer das Funk-Eisen kaufen will, wird aktuell z.b. bei borey.com.ua fündig:

Hier erhältlich: Das Bügeleisen mit WLAN

Hier erhältlich: Das Bügeleisen mit WLAN

(http://www.borey.com.ua/shop/item/scarlett-ted-sc-334s/)

CoyoteBoard – M2M-Shield für Arduino

Arduino-Shields mit GSM-Funktionalität kommem bei der Crowdfunding-Plattform Kickstarter gut an: Eben hat Squarqee die Finanzierung (locker) geschafft, da ist mit dem Coyote-Board für den Arduino schon das nächste Projekt am Start. Das Shield sieht schon recht fertig aus, kommt mit integrierter Karte und unterstützt nur 2G. Das erste Jahr wird mit dem Shield bezahlt, für die Folgezeit plant der Anbieter mit rund 3 US-Dollar pro Monat.

Das Coyote-Board

Die Nachteile des Coyote-Board sehe ich in der verlöteten SimKarte, die Kunden auf einen Anbieter festlegt und einen damit auch unter die Knute eines Datentarifs bringt, in diesem beim Provider namens „BodyTrace“ – über den im Netz nicht wirklich was zu finden ist. Auch was 2G angeht, bin ich unschlüssig: Ich mag „einfache Sachen“. Aber viele Netzbetreiber werden 2G wohl irgendwann in naher Zukunft stilllegen. AT&T etwa hat schon vor einem Jahr angekündigt, 2G in den USA bis 2016 komplett abzuschalten.

Qivicon jetzt auch bestellbar

Bild: Deutsche Telekom

Bild: Deutsche Telekom

Was lange währt, wird endlich gut: Qivicon, die SmartHome-Lösung der Deutschen Telekom ist ab sofort zu kaufen. Eigentlich war Qivicon, früher unter dem Arbeitstitel „Smart Connect“ schon für Mitte 2012 annonciert. Der Start der HomeAutomation Plattform auf der IFA 2012 wurde allerdings glatt verpasst und auch zur IFA 2013 gab es außer einem neu designten Ausstellungsstück nichts wirklich greifbares. Irgendwann im Oktober tauchten die Qivicon-Box und Zubehör von EQ3 dann klammheimlich in den T-Punkten und deren Onlineshops unter der Rubrik „Zubehör“ auf, während die Interessenten auf der Qivicon-Homepage noch immer auf „Herbst 2013“ vertröstet wurden. Irgendwann in der letzten Woche ist Qivicon wurde in aller Stille der Qivicon-Shop eröffnet – dort lassen sich nun „HomeBase“ und Zubehör einzeln oder im Set erwerben. Als Schnäppchen kann man die aktuell für 199 Euro erhältliche HomeBase allerdings nicht wirklich bezeichnen.